O-Ring Material: Werkstoffe im Vergleich
Welches O-Ring Material passt, entscheiden vier Fragen: Welche Temperatur herrscht am Einbauort, welches Medium berührt den Ring, bewegt er sich, und braucht er eine Zulassung? Für Mineralöle genügt oft NBR, für Wasser und Dampf EPDM, für Hitze, Öle und Chemie FKM. Wo FKM an Grenzen stößt, dichten FFKM, FEP-ummantelte O-Ringe oder PTFE.
Einsatztemperatur in Luft. Tippen Sie auf einen Werkstoff.
- Das passende O-Ring Material ergibt sich aus Temperatur, Medium, Bewegung und Zulassung. Ein bestes Material für alle Fälle gibt es nicht.
- NBR ist der preiswerte Standard für Mineralöl und Fette und reicht von −30 °C bis +120 °C. EPDM ist der Werkstoff für Wasser, Dampf und Bremsflüssigkeit und reicht von −45 °C bis +150 °C.
- FKM deckt Hitze, Öle und Chemie von −25 °C bis +200 °C ab, die Sondertype FKMEX40 reicht von −40 °C bis +225 °C.
- FFKM ist nahezu universell beständig und hält je nach Mischung bis +340 °C. Bei NH O-RING heißt es ECOLAST.
- FEP-ummantelte O-Ringe und PTFE sind chemisch nahezu universell beständig. PTFE ist dabei nicht elastisch.
In vier Schritten zum richtigen Werkstoff
Die Werkstoffwahl folgt immer derselben Reihenfolge. Klären Sie diese vier Punkte, bevor Sie Werkstoffe vergleichen. Danach bleiben meist nur ein oder zwei Kandidaten übrig.
Notieren Sie die tiefste und die höchste Temperatur am Einbauort, auch kurze Spitzen. Datenblattwerte gelten in Luft, in Heißwasser und Dampf liegen die Grenzen oft darunter.
Prüfen Sie jedes Medium, das den O-Ring berührt, auch Reinigungsmittel und Montagefett. Einzelne Medien bewerten Sie im Medienbeständigkeits-Tool.
Statisch oder dynamisch, wie hoch ist der Druck, wie groß der Spalt? Davon hängen Werkstoff und Härte ab. Mehr dazu unter O-Ringe unter Druck.
Lebensmittel, Pharma und Hygiene verlangen Nachweise wie FDA, USP Class VI oder 3-A. Maßgeblich ist die Mischung, nicht der Werkstoffname. Mehr dazu unter FDA-Zulassung.
Die wichtigsten O-Ring-Werkstoffe im Überblick
NBR und EPDM sind die klassischen Elastomere für Öl oder Wasser. Das Sortiment von NH O-RING umfasst FKM, FFKM, FEP-ummantelte O-Ringe und PTFE. Jede Karte nennt Einsatztemperatur, Härte und Zulassung, soweit festgelegt.
Der preiswerte Standard für Mineralöl, Kraftstoff und Fette.
- Mineralöl, Kraftstoff und Fette
- preiswerter Standardwerkstoff
- Ozon, Witterung, polare Lösungsmittel
- Heißwasser nur bis 80 °C, kein Dampf
Der Werkstoff für Wasser, Dampf und glykolbasierte Bremsflüssigkeit.
- Heißwasser und Dampf bis 170 °C (peroxidisch vernetzt)
- Bremsflüssigkeit auf Glykolbasis
- Mineralöl und mineralölbasierte Fette
Der meistgenutzte Hochleistungswerkstoff für Hitze, Öle und Chemie.
- Öle, Kraftstoffe und viele Chemikalien
- Sondertype FKMEX40: −40/+225 °C
- Heißwasser nicht empfohlen, Dampf bis 120 °C
Nahezu universell beständig und elastisch. Werte für NH5750, Hochtemperatur-Mischungen bis +340 °C, weiße Typen für Lebensmittel und Pharma.
- beständig gegen nahezu alle Medien
- Heißwasser und Dampf bis 270 °C (NH5755 HT)
- hoher Preis
Chemiefeste Hülle, elastischer Kern. Mit Silikonkern ab −60 °C einsetzbar.
- chemisch nahezu universell beständig
- Heißwasser und Dampf bis 205 °C
- härter als Elastomer-O-Ringe (90 Shore A)
Chemisch nahezu inert, mit dem weitesten Temperaturbereich in diesem Vergleich.
- nahezu inert, sehr geringe Reibung
- nicht elastisch, neigt zum Kaltfluss
- nur als statische Flanschdichtung
Temperaturbereiche im Vergleich
Die Grafik zeigt die Einsatztemperatur in Luft. Schieben Sie den Regler auf Ihre Betriebstemperatur: Hervorgehoben bleiben die Werkstoffe, deren Bereich diese Temperatur abdeckt.
Einsatztemperaturen in Luft laut NH-Werkstoffdaten, NBR und EPDM zum Vergleich. PTFE reicht bis −250 °C, die Skala beginnt bei −100 °C. Die Temperatur allein entscheidet nicht: Prüfen Sie zusätzlich Medium, Druck und Zulassung.
Vergleichstabelle: Temperatur, Heißwasser, Härte, Zulassung
In Heißwasser und Dampf verhalten sich Werkstoffe anders als in Luft. FKM hält in Luft +200 °C aus und ist in Heißwasser trotzdem nicht empfohlen. Die Tabelle stellt beides nebeneinander.
| Werkstoff | Luft | Heißwasser | Dampf | Härte | Zulassung | Lagerung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| NBRzum Vergleich | −30/+120 °C | bis 80 °C | nicht empfohlen | je nach Mischung | je nach Mischung | k. A. |
| EPDMperoxidisch vernetzt, zum Vergleich | −45/+150 °C | bis 170 °C | bis 170 °C | je nach Mischung | je nach Mischung | k. A. |
| FKMFKM75S, FDA-Type FKM75SFD | −25/+200 °C | nicht empfohlen | bis 120 °C | 75 Shore A | FDA (FKM75SFD) | 10 Jahre |
| FFKM ECOLASTNH4700, weiß, Lebensmittel und Pharma | −20/+270 °C | k. A. | k. A. | 70 Shore A | FDA, USP VI, 3-A | 15 Jahre |
| FFKM ECOLASTNH5750, Standard | −25/+270 °C | bis 210 °C | bis 210 °C | 75 Shore A | FDA | 15 Jahre |
| FFKM ECOLASTNH5751 HT, Hochtemperatur | −15/+330 °C | bis 230 °C | bis 230 °C | 75 Shore A | nur EG 1935/2004 | 15 Jahre |
| FFKM ECOLASTNH5755 HT, Dampf und Heißwasser | −15/+330 °C | bis 270 °C | bis 270 °C | 75 Shore A | nur EG 1935/2004 | 15 Jahre |
| FEP-ummanteltFEP-FKM | −25/+205 °C | bis 205 °C | bis 205 °C | 90 Shore A | FDA | 15 Jahre |
| FEP-ummanteltFEP-Silikon | −60/+205 °C | bis 205 °C | bis 205 °C | 90 Shore A | FDA | 15 Jahre |
| PTFEPTFE60, Vollmaterial | −250/+250 °C | bis 250 °C | bis 250 °C | 60 Shore D | FDA | praktisch unbegrenzt |
Luft: Einsatztemperatur laut Datenblatt. Heißwasser und Dampf: Erfahrungswerte ohne Gewähr, testen Sie im Zweifel unter Einsatzbedingungen. Härte als Nennwert, Lagerfähigkeit nach DIN 7716 bei sachgerechter Lagerung. EG 1935/2004 gilt für alle NH-Compounds, die Spalte Zulassung nennt weitere Nachweise. k. A.: keine Angabe. Alle Prüfwerte finden Sie in den Datenblättern.
NBR, EPDM, FKM oder FFKM? Die häufigsten Direktvergleiche
NBR oder EPDM?
Hier entscheidet das Medium. NBR verträgt Mineralöl, Kraftstoff und Fette, EPDM Wasser, Dampf und glykolbasierte Bremsflüssigkeit. Umgekehrt ist EPDM nicht mineralölbeständig, und NBR hält Heißwasser nur bis 80 °C aus, Dampf gar nicht. Treffen Öl und Heißwasser zusammen, kommen FFKM oder FEP-ummantelte O-Ringe in Frage.
- Mineralöl und Fette
- Kraftstoff
- Dampf
- Wasser und Dampf
- Bremsflüssigkeit auf Glykolbasis
- Mineralöl
FKM oder NBR?
FKM hält mehr aus: bis +200 °C statt +120 °C und deutlich mehr Chemikalien. NBR ist dafür preiswerter und reicht für Mineralöl und Hydrauliköl bei moderaten Temperaturen aus. Liegt die Anwendung dauerhaft außerhalb des NBR-Bereichs oder kommen aggressive Medien dazu, führt der Weg meist zu FKM.
- bis +200 °C
- Öle und viele Chemikalien
- Heißwasser
- preiswert
- Mineralöl und Hydrauliköl
- über +120 °C
FKM oder FFKM?
FFKM ist vollständig fluoriert und deshalb nahezu universell beständig, FKM stößt bei manchen Medien an Grenzen. Auch bei der Temperatur liegt FFKM vorn: Standardtypen bis +270 °C, Hochtemperatur-Typen bis +340 °C. Der Nachteil ist der Preis, deshalb lohnt FFKM dort, wo FKM nicht mehr reicht. Mehr dazu im Beitrag FFKM O-Ringe.
- bis +200 °C, Sondertype bis +225 °C
- wirtschaftlich
- Lücken bei manchen Medien
- nahezu universell beständig
- bis +340 °C je nach Mischung
- hoher Preis
FEP-ummantelt oder PTFE?
Beide sind chemisch nahezu universell beständig. Der FEP-ummantelte O-Ring hat einen elastischen Kern aus FKM oder Silikon, der für Rückstellkraft sorgt. PTFE ist Vollmaterial und reicht von −250 °C bis +250 °C, ist aber nicht elastisch und eignet sich deshalb nur als statische Flanschdichtung.
- elastischer Kern
- FDA-konform
- härter als Elastomer-O-Ringe
- −250/+250 °C
- nahezu inert
- nicht elastisch
Werkstoffe mit Zulassung: Lebensmittel, Pharma, Öl und Gas
In regulierten Branchen zählt der Nachweis der konkreten Mischung. Ein FKM ist nicht automatisch FDA-konform, die FDA-Type FKM75SFD ist es. Im NH-Sortiment tragen diese Mischungen Zulassungen:
Die Verordnung EG 1935/2004 für Materialien mit Lebensmittelkontakt gilt für alle NH-Compounds. Die weißen Food- und Pharma-Typen NH4700 und NH7700 setzen statt Ruß auf helle, lebensmittelkonforme Füllstoffe. Mehr dazu unter FDA-Zulassung und im Lexikon zu USP Class VI, 3-A Sanitary und NORSOK M-710.
Weitere Elastomere und wo sie passen
Neben den sechs Hauptwerkstoffen gibt es Spezialisten für einzelne Anforderungen. Zu jedem finden Sie einen eigenen Beitrag in der Akademie.
Typische Fehlgriffe bei der Werkstoffwahl
- EPDM mit Mineralölfett montiert. EPDM ist nicht mineralölbeständig. Verwenden Sie zur Montage Silikonöl, mehr dazu unter O-Ring Montage.
- FKM in Heißwasser oder Dampf. In Luft hält FKM +200 °C aus, in Heißwasser ist es nicht empfohlen und in Dampf nur bis 120 °C einsetzbar. Für Wasser und Dampf ist EPDM grundsätzlich die bessere Wahl.
- Nur die Dauertemperatur geprüft. Reinigung, Sterilisation und Anfahrspitzen belasten den O-Ring oft stärker als der Normalbetrieb.
- PTFE als elastischer Ersatz. PTFE ist nicht elastisch und neigt zum Kaltfluss. Wo sich der Ring zurückstellen muss, passen FFKM oder FEP-ummantelte O-Ringe.
- Mehr Werkstoff als nötig. FFKM löst fast jedes Medienproblem, ist aber deutlich teurer. Reicht FKM, ist FKM die wirtschaftliche Wahl.
- Zulassung am Werkstoffnamen festgemacht. Nicht jedes FKM ist FDA-konform. Entscheidend ist der Nachweis der Mischung.
Häufige Fragen zum O-Ring Material
Welches O-Ring Material ist das beste?
Welches O-Ring Material ist hitzebeständig?
Welches Material eignet sich für Heißwasser und Dampf?
Welche O-Ring Werkstoffe sind FDA-konform?
Ist FPM dasselbe wie FKM?
Wie prüfe ich, ob ein Werkstoff zu meinem Medium passt?
Wie lange sind O-Ringe lagerfähig?
Werkzeuge für die Auswahl

