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EPDM O-Ringe: Wasser, Dampf und Bremsflüssigkeit

EPDM O-Ringe sind für Heißwasser, Dampf und glykolbasierte Bremsflüssigkeit prädestiniert und beständig gegen Ozon und Witterung. Hier erfahren Sie alles zu Vorteilen, Anwendungen, Medien- und Temperaturbeständigkeit sowie zur Auslegung.

Luke Williams
Luke Williams
Herr der O-Ringe·NH O-RING Akademie
Aktualisiert Juni 202611 Min. Lesezeit
EPDM O-Ringe für Wasser und Dampf
Das Wichtigste in Kürze
  • EPDM O-Ringe sind prädestiniert für den Kontakt mit Heißwasser und Dampf sowie für Sanitär-, Heizungs- und Lebensmittelanwendungen.
  • Der Werkstoff ist unempfindlich gegen Ozon und Witterung, gut abriebfest und für viele organische und anorganische Säuren beständig.
  • EPDM eignet sich für glykolbasierte Bremsflüssigkeit (DOT 3 und DOT 4) und Kühlflüssigkeiten, nicht jedoch für Medien auf Mineralölbasis.
  • Schwefelvernetztes EPDM hält −45/+120 °C stand, peroxidvernetztes EPDM −50/+150 °C. Über 200 °C ist FFKM erforderlich.
  • Für Standardanwendungen wird eine Verpressung von 25 % empfohlen. Zur Montage kein mineralölbasiertes Fett verwenden, sondern Silikonöl.
Zuletzt aktualisiert am 22. Juni 2026 · Autor: Luke Williams, „Herr der O-Ringe"

Was sind EPDM O-Ringe?

O-Ringe aus EPDM, dem Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk, sind für den Kontakt mit Heißwasser und Dampf prädestiniert. Egal ob im Sanitär- und Heizungsbereich oder in der Lebensmittelindustrie: EPDM O-Ringe bieten die notwendige Dauerhaltbarkeit und bei Bedarf auch die industriespezifischen Zulassungen für diese herausfordernden Einsatzgebiete.

Die gute Medienbeständigkeit macht EPDM auch für den Einsatz in Kühlkreisläufen oder Drucksystemen geeignet, nicht zuletzt in der Automobilindustrie. Viele Praktiker kennen EPDM auch unter den Handelsnamen globaler Anbieter wie Keltan®, Vistalon®, Dutral® oder Nordel®.

Zu den wichtigsten Alternativen für EPDM O-Ringe zählen die Werkstoffe NBR und FKM.

Die 5 wichtigsten Vorteile von EPDM O-Ringen

EPDM O-Ringe unterliegen einer vielfältigen Beanspruchung durch mechanische Belastung, Temperaturen, Medien oder einfach die Umwelt. In manchen Bereichen wirkt diese nicht erst unter den Betriebsbedingungen der Dichtstelle. Beispielsweise kann Ozon in der Umgebungsluft O-Ringe schon angreifen, während sie noch im Betriebsmittellager auf ihren Einsatz warten. Besonders NBR O-Ringe müssen in dieser Hinsicht sehr sorgfältig behandelt werden. Bei O-Ringen aus EPDM besteht dieses Risiko jedoch nicht, denn der Werkstoff ist weder für Sonneneinstrahlung noch für Ozon anfällig.

Das gestaltet nicht nur die Lagerung unproblematisch, sondern macht auch den Außeneinsatz der Dichtungselemente möglich. Die hohe Abriebbeständigkeit erlaubt außerdem den Einsatz für dynamische Abdichtungen, bei denen die Dichtungsflächen in Bewegung sind. Ähnlich wie NBR, FKM oder CR halten EPDM O-Ringe der mechanischen Belastung stand. Ein breites Medienbeständigkeitsprofil und viele Werkstoffzulassungen für Spezialanwendungen machen EPDM O-Ringe nahezu universell einsetzbar. Zu den Einsatzfeldern zählen etwa der Lebensmittel- und der Trinkwasserbereich, die hohe Anforderungen an die Unbedenklichkeit der Dichtungswerkstoffe stellen.

Gute Abriebbeständigkeit
EPDM liegt mit NBR, CR und FKM deutlich vor silikonbasierten Werkstoffen.
Eignung für Heißwasser und Dampf
Sehr gut geeignet für den Kontakt mit Heißwasser und Dampf.
UV- und Ozonbeständigkeit
Weder für Sonneneinstrahlung noch für Ozon anfällig.
Breite Medienbeständigkeit
Ein breites Beständigkeitsprofil macht EPDM nahezu universell einsetzbar.
Lebensmittel- und Trinkwassereignung
Zulassungen für Bereiche mit hohen Anforderungen an die Unbedenklichkeit.

Die 3 häufigsten Anwendungsbereiche von EPDM O-Ringen

Kühlwasser- und Heizkreisläufe

Glykol findet sich in vielen technischen Medien, da es den Gefrierpunkt von Wasser auf bis zu −55 °C absenken kann. Bremsflüssigkeit oder Kühlflüssigkeit für Motoren sind zwei Anwendungsbeispiele aus dem Kraftfahrzeugbereich. Durch die ausgeprägte Beständigkeit gegen Wasser und Glykol über einem breiten Temperaturband sind EPDM O-Ringe besonders gut für die Abdichtung solcher Systeme geeignet.

Dichtungselemente aus EPDM sichern die Verbindungsstellen von Komponenten wie Radiatoren, Leitungen, Thermostaten oder Pumpen zuverlässig ab. Bei diesen sicherheitskritischen Anwendungen im Automobilbereich erhält EPDM in der Regel den Vorzug vor alternativen Werkstoffen. Nur wenn auch ein Kontakt mit Medien auf Mineralölbasis nicht auszuschließen ist, kommt der kostenintensivere Werkstoff FFKM zum Einsatz.

Lebensmittel und Pharmazie

Lebensmittel und medizinische Produkte gelangen direkt in den menschlichen Organismus, sodass ungewollte Wechselwirkungen unbedingt ausgeschlossen werden müssen. Die einwandfreie Beschaffenheit der Erzeugnisse müssen die Verantwortlichen über die gesamte Produktionskette hinweg sicherstellen. Daher müssen O-Ringe in den Fertigungsanlagen zuverlässig funktionieren, um Kontaminationen auszuschließen.

Gleichzeitig dürfen die Dichtungselemente die Produkte im direkten Kontakt nicht beeinflussen. EPDM ist geschmacks- und geruchsfrei sowie inert. Viele Qualitäten von EPDM O-Ringen mit Zulassungen nach FDA oder USP sind völlig frei von Weichmachern. Auch den aggressiven Bedingungen von Reinigungs- und Sterilisationsprozeduren halten EPDM O-Ringe stand.

Druckflüssigkeiten

Druckflüssigkeiten sind für die Kraftübertragung in hydraulischen Systemen zuständig. Hier kommen bisher vor allem mineralölbasierte Medien zum Einsatz. Deren ungewollter Kontakt mit der Umwelt stellt jedoch ein ökologisches Problem dar. Aus diesem Grund gibt es wachsende Ansprüche an den Einsatz biologisch abbaubarer Druckübertragungsmedien.

Diese geänderten Anforderungen müssen natürlich auch auf die übrigen Komponenten der Hydrauliksysteme übertragen werden. EPDM O-Ringe eignen sich nicht nur für herkömmliche Medien wie Bremsflüssigkeit DOT 3 und DOT 4, sondern auch für die umweltverträglichere Alternative HEPG (Polyalkylenglykol) nach DIN ISO 15380.

Wie ist die Medienbeständigkeit von EPDM O-Ringen?

EPDM O-Ringe sind heißwasser- und dampfbeständig. Daraus ergibt sich auch die bevorzugte Verwendung des Werkstoffs in Systemen der Sanitär- und Trinkwassertechnik. Zudem halten EPDM O-Ringe dem Kontakt mit glykolbasierten Bremsflüssigkeiten unter hohen Temperaturen stand. Daneben gehören viele organische und anorganische Säuren zum Beständigkeitsprofil des Dichtungswerkstoffes.

Besonders hervorzuheben ist außerdem die Unempfindlichkeit von EPDM gegen Ozon und Witterungseinflüsse. Die Eignung für den bewitterten Außeneinsatz und lange mögliche Lagerzeiten ohne besondere Vorkehrungen gestalten den Umgang mit EPDM O-Ringen in der Praxis besonders unkompliziert. Diese Qualitäten tragen erheblich zur Eignung von EPDM für den Automobilbau bei.

Die bedeutendste Lücke in der Beständigkeitsliste von EPDM O-Ringen stellen aber Produkte auf Mineralölbasis dar. Schmierstoffe oder Öle lassen das Material quellen. In der Folge kommt es zu einer erheblichen Reduktion der Härte und zu Ausbrüchen mit runden Kanten. Diese Materialschwächung lässt EPDM O-Ringe ihre Dichtwirkung verlieren. Daher eignet sich EPDM in Verbrennungsmotoren nicht für Bereiche, die zwar Kühlflüssigkeit führen, aber auch mit mineralölbasierten Schmierstoffen in Kontakt kommen.

Wie hoch ist die EPDM Temperaturbeständigkeit?

EPDM ist ein vielseitig einsetzbares Elastomer, das insbesondere für seine hohe Temperaturbeständigkeit bekannt ist. Die spezifischen Temperaturgrenzen hängen von Zusammensetzung und Verarbeitung ab. Entscheidend ist vor allem die Art der Vernetzung.

Temperaturgrenzen in Heißwasser und Dampf

Maximale Dauertemperatur je Werkstoff, getrennt nach Heißwasser und Dampf. Erfahrungswerte aus der Praxis.

WerkstoffHeißwasserDampf
EPDM (peroxidisch)bis 170 °Cbis 170 °C
NBRbis 80 °Cnicht empfohlen
FKMnicht empfohlenbis 120 °C
ECOLAST NH5750bis 210 °Cbis 210 °C
ECOLAST NH5751 HTbis 230 °Cbis 230 °C
ECOLAST NH5755 HTbis 270 °Cbis 270 °C

Hierbei handelt es sich um Erfahrungswerte. Wir übernehmen keine Haftung und empfehlen individuelle Tests.

VernetzungTemperaturbereichBesonderheit
Schwefelvernetzt−45/+120 °CPreiswerteres Material für allgemeine Anwendungen.
Peroxidvernetzt−50/+150 °CBeständig gegen Heißwasser, Dampf, Alkohole, Ketone, Motorkühlflüssigkeiten sowie organische und anorganische Säuren und Basen.

In speziellen Anwendungen kann EPDM eine noch höhere Temperaturbeständigkeit aufweisen. So hält es bei Wasserkontakt Temperaturen bis zu 170 °C stand, während es in Luft bis zu 150 °C aushalten kann. Für Dampfanwendungen gibt es spezifische EPDM-Mischungen, die Temperaturen bis zu 200 °C widerstehen können. Bei Temperaturen über 200 °C müssen jedoch andere Materialien wie Perfluorkautschuk (FFKM) verwendet werden.

In der Lebensmittel- und Getränkeindustrie wird peroxidisch vernetztes EPDM mit FDA-Zulassung häufig als Dichtungsmaterial verwendet. Die Temperaturbeständigkeit von EPDM liegt in dieser Branche typischerweise zwischen −50 °C und +150 °C.

Wie sind die mechanischen Eigenschaften von EPDM O-Ringen?

EPDM ist ein Synthesekautschuk, der durch die Polymerisation von drei Monomeren entsteht. Mit der Gestaltung der Mengenverhältnisse der Monomere und weiterer Stoffzugaben lassen sich die chemischen und mechanischen Eigenschaften der Produkte den Erfordernissen entsprechend einstellen. Grundsätzlich ergibt sich bei EPDM dabei eine sehr hohe Elastizität, die maßgeblich für die zuverlässige Dichtwirkung verantwortlich ist.

Selbst nach längerer Druckbelastung kehren EPDM O-Ringe wieder nahezu vollständig in ihre Ausgangsform zurück. Diese Elastizität lässt sich durch eine peroxidische Vernetzung statt der standardmäßigen Schwefelvernetzung noch weiter steigern. In Sachen Abriebfestigkeit liegt EPDM zusammen mit NBR, CR und FKM deutlich vor silikonbasierten Dichtungswerkstoffen. Das macht den dynamischen Einsatz möglich, bei dem die beweglichen Dichtungsflächen für eine vermehrte Reibung sorgen.

Daneben sind die hohe mechanische Festigkeit und die Reißdehnung als wichtige mechanische Eigenschaften zu nennen. EPDM O-Ringe lassen sich etwa beim Montagevorgang stark dehnen, ohne bleibende Schädigungen hervorzurufen. Das gestaltet die Montage eines außendichtenden O-Rings besonders unproblematisch.

Hohe Elastizität
O-Ringe kehren auch nach längerer Druckbelastung nahezu vollständig in ihre Ausgangsform zurück.
Sehr gute Abriebfestigkeit
Deutlich vor silikonbasierten Werkstoffen, geeignet für dynamische Anwendungen.
Ausgeprägte Reißdehnung
Starke Dehnung beim Montagevorgang ohne bleibende Schädigung.

Was muss ich bei der Nutauslegung eines EPDM O-Rings beachten?

Das temperaturbedingte Schrumpf- und Ausdehnungsverhalten von EPDM ist gering ausgeprägt. Daher sind bei der Nutauslegung keine besonderen Vorkehrungen für die Ausdehnung zu treffen. Für viele Standardanwendungen wird eine Verpressung von 25 % empfohlen.

Nutgestaltung
Nut nach DIN 3771 Teil 5 vornehmen.
Statische Abdichtung
Mindestverpressung des Querschnitts von 6 % sicherstellen.
Dynamische Abdichtung
Grundsätzlich eine geringere Verpressung wählen.
Druck von außen
Bis 6 % Dehnung über den Innendurchmesser der Nut einplanen.
Druck von innen
1 bis 3 % Stauchung am Außendurchmesser der Nut einplanen.

Was ist bei der Montage von EPDM O-Ringen zu beachten?

Bei der Montage gelten einige Grundregeln, damit der O-Ring unbeschädigt in die Nut gelangt:

Einführschrägen
Schrägen zwischen 15 und 20 Grad vorsehen.
Bohrungen entgraten
Grate vor der Montage entfernen.
Scharfe Kanten brechen
Minimalen Radius von 0,1 bis 0,3 mm einplanen.
Montagehilfsmittel
Geeignete Hilfsmittel nutzen, zum Beispiel Silikonöl.
Verdrehen vermeiden
Den O-Ring beim Einlegen nicht verdrehen.

Häufige Fragen

Was bedeutet EPDM bei O-Ringen?
EPDM ist ein Elastomer und gehört zu den Standard-Werkstoffen bei O-Ringen. Hinter der Abkürzung EPDM steht die chemische Bezeichnung Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk. EPDM O-Ringe zeichnen sich durch ihre gute Medienbeständigkeit aus und werden insbesondere häufig von der Lebensmittel- und Pharmaindustrie eingesetzt.
Wie hitzebeständig ist EPDM?
Bei dieser Frage muss zwischen einem schwefelvernetzten und einem peroxidisch vernetzten EPDM unterschieden werden. Schwefelvernetzte EPDM O-Ringe sind von −45 °C bis +120 °C einsetzbar, peroxidisch vernetzte EPDM O-Ringe von −50 °C bis +150 °C. Bei Wasserkontakt hält EPDM bis zu 170 °C stand, spezielle Dampfmischungen bis zu 200 °C. Darüber ist FFKM erforderlich.
Wofür sind EPDM O-Ringe nicht geeignet?
Die bedeutendste Lücke im Beständigkeitsprofil sind Produkte auf Mineralölbasis. Schmierstoffe oder Öle lassen EPDM quellen. In der Folge sinkt die Härte erheblich, es kommt zu Ausbrüchen mit runden Kanten und der O-Ring verliert seine Dichtwirkung. Deshalb eignet sich EPDM in Verbrennungsmotoren nicht für Bereiche, die zwar Kühlflüssigkeit führen, aber auch mit mineralölbasierten Schmierstoffen in Kontakt kommen.
Eignet sich EPDM für Bremsflüssigkeit?
Ja. EPDM O-Ringe halten dem Kontakt mit glykolbasierten Bremsflüssigkeiten auch unter hohen Temperaturen stand. Sie eignen sich für herkömmliche Medien wie Bremsflüssigkeit DOT 3 und DOT 4 sowie für die umweltverträglichere Alternative HEPG (Polyalkylenglykol) nach DIN ISO 15380.
Was bedeutet EPDM 70?
Die 70 ist die Angabe der Härte des EPDM O-Ring Werkstoffs. Bei Elastomeren wird die Härte in der Einheit Shore angegeben. Dementsprechend ist mit EPDM 70 ein EPDM mit einer Härte von 70 Shore A gemeint.
Worauf muss ich bei der Montage von EPDM O-Ringen achten?
Sehen Sie Einführschrägen zwischen 15 und 20 Grad vor, entgraten Sie Bohrungen und brechen Sie scharfe Kanten mit einem Radius von 0,1 bis 0,3 mm. Nutzen Sie geeignete Montagehilfsmittel wie Silikonöl und vermeiden Sie ein Verdrehen des O-Rings. Wichtig: Aufgrund der fehlenden Beständigkeit dürfen keine mineralölbasierten Öle oder Fette zur Montageerleichterung verwendet werden.
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Luke Williams
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Herr der O-Ringe · NH O-RING Akademie
„Ich bin überzeugt, dass wir unser Wissen teilen sollten. Ich hoffe, dieser Beitrag beantwortet Ihre Fragen zu EPDM O-Ringen. Wenn nicht, melden Sie sich jederzeit bei uns, wir helfen gerne weiter."
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