O-Ringe richtig lagern nach DIN 7716
Die richtige Lagerung entscheidet darüber, ob ein O-Ring nach Jahren noch zuverlässig dichtet. Wir erklären Ihnen die Lagerbedingungen nach DIN 7716 zu Temperatur, Luftfeuchte, Licht, Ozon und Verformung sowie die Lagerfähigkeit der einzelnen Werkstoffe.

- Die DIN 7716 regelt die Lagerung von Elastomer-O-Ringen über fünf Kategorien: Temperatur, Luftfeuchte, Licht, Sauerstoff und Verformung.
- Ideal ist ein kühler, trockener und dunkler Lagerort bei +5 bis +25 °C und einer relativen Luftfeuchte unter 65 Prozent.
- O-Ringe sollten spannungsfrei, in geschlossenen Kartons oder PE-Beuteln und ohne übermäßigen Luftwechsel gelagert werden.
- Die Lagerfähigkeit hängt vom Werkstoff ab: FKM 10 Jahre, FFKM und FEP-ummantelt jeweils 15 Jahre, PTFE praktisch unbegrenzt.
- Eine systematische Lagerhaltung sorgt dafür, dass stets die ältesten O-Ringe zuerst verwendet werden, und beugt Verwechslungen vor.
Warum die Lagerung über die Lebensdauer entscheidet
O-Ringe aus Elastomeren müssen im Einsatz ohne Ausnahme funktionieren. Indem sie den Dichtspalt verschließen, trennen sie zwei Bereiche in einer Anlage oder einem Gerät voneinander. So verhindern sie, dass Bauteile von aggressiven Medien angegriffen werden, und schützen sensible Stoffe vor unerwünschter Kontamination.
Damit ein O-Ring diese Aufgabe zuverlässig erfüllt, kommt es auf die sorgfältige Werkstoffauswahl, die gewissenhafte Herstellung und den fachgerechten Einbau an. Ein Faktor bleibt dabei oft im Hintergrund: die Bedingungen, unter denen O-Ringe gelagert werden.
Das Leben eines Elastomer-O-Rings beginnt mit der Vulkanisation. Ab diesem Zeitpunkt können schädliche Umwelteinflüsse für Abweichungen vom Sollzustand sorgen. Je nach Lagerdauer sind die O-Ringe diesen Bedingungen mehr oder weniger lang ausgesetzt. Bei optimaler Lagerung behalten sie ihre Dichteigenschaften über Jahre. Fehler bei der Lagerung lassen O-Ringe dagegen im Zeitraffer altern.
Viele Elastomerrezepturen enthalten Stabilisatoren, Alterungsschutzmittel und Schutzschichten gegen Ozon oder UV-Licht. Diese Zusätze verlangsamen die Alterung, halten sie aber nicht auf. Eine gute Lagerung bleibt deshalb unverzichtbar. Allgemeine Maßgaben dafür liefert die Norm DIN 7716. Sie ordnet Elastomere nach ihrer Rezepturbasis ein und gibt Lagerbedingungen sowie maximale Lagerzeiten vor. Worauf Sie bei der Begriffsabgrenzung achten sollten, lesen Sie im Lexikon-Eintrag zu DIN 7716.
Die fünf Lagerbedingungen nach DIN 7716
Generell gilt die Forderung nach einem kühlen, trockenen, staubarmen und vor übermäßigem Luftaustausch geschützten Lagerort. Die detaillierten Anforderungen der DIN 7716 an den Lagerraum lassen sich in fünf Kategorien einordnen.
Temperatur: +5 bis +25 °C
Den Sollbereich für die Lagerung markieren eine Mindesttemperatur von +5 °C und eine Maximaltemperatur von +25 °C. Die einzelnen Elastomerarten unterscheiden sich dabei im Detail, der genannte Bereich ist jedoch für die meisten Werkstoffe eine sichere Vorgabe.
Im kalten Zustand können O-Ringe sehr steif werden. Vor dem Einbau sollten sie daher etwas Zeit bekommen, um sich bei Raumtemperatur zu erwärmen. Das erleichtert die Montage und schützt vor Schäden.
Im Lagerraum installierte Wärmequellen dürfen ihre Hitze nicht direkt auf die O-Ringe abstrahlen. Dafür sorgt ein Mindestabstand von einem Meter oder eine geeignete Abschirmung.
Luftfeuchte: unter 65 Prozent
Im Lagerraum sollte die relative Luftfeuchtigkeit nicht über 70 Prozent steigen. Werte unter 65 Prozent kommen dem Ideal näher. Entscheidend ist, dass die O-Ringe zuverlässig vor dem Kontakt mit Kondenswasser geschützt werden.
Manche Elastomere reagieren empfindlicher auf Feuchtigkeit als andere. Eine kontrollierte Lagerumgebung mit stabiler Luftfeuchte beugt vor, dass einzelne Werkstoffe vorzeitig altern.
Licht und UV-Strahlung
Schützen Sie Ihren Lagerbestand vor direkter Sonneneinstrahlung. Vor allem die UV-Strahlung schadet den Elastomeren. Auch eine zu hohe lokale Erwärmung durch Lichtquellen lässt die O-Ringe schneller altern.
Am besten bleiben die O-Ringe so lange wie möglich in geschlossenen Kartons. Diese schirmen die Dichtungselemente vom Tageslicht ab. Folienbeutel aus UV-beständigem Polyethylen (PE) bieten ebenfalls einen guten Schutz.
Sauerstoff und Ozon
Luftdichte Behälter oder PE-Beutel schützen O-Ringe vor schädlichen Medien aus der Umgebungsluft. Gleichzeitig sollte kein übermäßiger Luftwechsel im Lagerraum herrschen.
Elastomere nehmen selbstständig Sauerstoff auf. Einen Teil davon binden sie, den Rest geben sie in veränderter Form als Oxidationsprodukte wieder ab. Bei dieser Alterungsreaktion verschlechtern sich die mechanischen Eigenschaften des O-Rings deutlich. Ähnliches gilt für Ozon.
Leuchtstoffröhren, Elektromotoren und viele andere elektrische Geräte bilden Ozon während ihres Betriebs. Solche Geräte gehören deshalb nicht in unmittelbare Nähe des Lagerbestands. Besonders empfindlich reagiert das Elastomer NBR: Es nimmt bereits nach wenigen Tagen an ozonhaltiger Luft erste Risse. Mehr zu den Schadensbildern durch Medien lesen Sie im Beitrag zur Quellung von O-Ringen.
Verformung und mechanische Beanspruchung
Eine mechanische Beanspruchung während der Lagerung kann bereits irreversible Schäden verursachen, bevor der O-Ring überhaupt eingebaut ist. Idealerweise befinden sich die Bauteile während der gesamten Lagerdauer in einem entspannten Zustand, in dem weder Druck noch Zug auf sie wirkt.
Gerade bei der verteilten Lagerung kommt es häufig zu Druckstellen durch Heftklammern oder andere Gegenstände. Bei O-Ringen mit großen Durchmessern kann die entspannte Lagerung eine Herausforderung sein. Damit der Platzbedarf im Rahmen bleibt, lassen sich O-Ringe mit einem Innendurchmesser über 300 Millimeter einschlagen. Knicke sind dabei unbedingt zu vermeiden.
Auch der Kontakt mit Schwermetallen wie Mangan, Kupfer oder Eisen kann O-Ringe altern lassen. Das sollte ebenso vermieden werden wie die Lagerung zusammen mit PVC. Nach einer längeren Lagerung kann eine Reinigung notwendig sein. Dafür eignen sich warmes Wasser und ein sauberes Tuch. Reinigungsflüssigkeiten wie Benzin, Benzol oder Terpentin sind ungeeignet. Beim Umgang mit O-Ringen sollten Sie diese stets von spitzen oder scharfen Gegenständen fernhalten.
Lagerfähigkeit je Werkstoff
Wie lange ein O-Ring sicher gelagert werden kann, hängt vom Werkstoff ab. Die folgende Übersicht zeigt die Lagerfähigkeit der Werkstoffe, die NH O-RING führt. Die Werte gelten bei sachgemäßer Lagerung nach DIN 7716.
| Werkstoff | Familie | Lagerfähigkeit |
|---|---|---|
| FKM | Fluorkautschuk | 10 Jahre |
| FFKM (ECOLAST®) | Perfluorkautschuk | 15 Jahre |
| FEP-ummantelt | FEP-FKM und FEP-Silikon | 15 Jahre |
| PTFE | Polytetrafluorethylen | praktisch unbegrenzt |
PTFE ist als Thermoplast praktisch unbegrenzt lagerfähig, neigt aber zum Kaltfluss. Schon eine geringe Druckbelastung kann zu dauerhaften Verformungen führen. PTFE-O-Ringe sollten deshalb besonders sorgfältig spannungsfrei und ohne Druckeinwirkung gelagert werden. Welcher Hochleistungswerkstoff sich für Ihren Einsatz eignet, erfahren Sie im Beitrag zu den FFKM O-Ringen.
So organisieren Sie die Lagerung optimal
Mit der richtigen Lagerung können Sie O-Ring-Bestände problemlos lokal vorhalten und jederzeit auf einen Ausfall reagieren, ohne Einbußen bei der Funktion befürchten zu müssen. Eine systematische Lagerhaltung bringt mehrere Vorteile.
- Die zentrale Lagerung baut verteilte Bestände ab und reduziert die vorgehaltene Menge.
- Sie stellt sicher, dass stets die ältesten O-Ringe zuerst verwendet werden.
- Verpackungseinheiten können länger geschlossen bleiben.
- Ein klares Lagersystem beugt Verwechslungen vor.
NH O-RING unterstützt Sie dabei. Wir liefern unsere O-Ringe bestens geschützt in individuellen Verpackungseinheiten und bringen auf Wunsch Markierungen an. Das sorgt für Sicherheit und Effizienz beim Einsatz Ihrer Dichtungselemente.
