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O-Ring Auslegung: Nut und Einbaumaße

Ein O-Ring dichtet, weil er in seiner Nut verpresst wird. Gut ausgelegt ist er, wenn Verpressung, Füllgrad und Dehnung im Zielbereich liegen und der Werkstoff zu Temperatur, Medium und Druck passt. Hier finden Sie die Kennzahlen, die Einbaumaße für Flansch, Kolben und Stange und die Regeln für den Innendurchmesser.

Luke Williams
Luke Williams
Herr der O-Ringe·NH O-RING Akademie
Aktualisiert Oktober 202617 Min. Lesezeit
pFF
Verpressen: Beim Verschrauben wird der Ring flach gedrückt und füllt die feinen Unebenheiten der Dichtflächen. Hier mit 22 % Verpressung und 76 % Füllgrad.
Das Wichtigste in Kürze
  • Verpressung: statisch 15–30 % der Schnurstärke, bei FFKM 10–20 %, dynamisch 6–20 %. Der Füllgrad bleibt unter 85 %.
  • Normgrößen nach ISO 3601 wählen: Sie sind am besten verfügbar, und für sie gibt es abgestimmte Einbaumaße.
  • Den Innendurchmesser bestimmt die Einbauart: Flansch nach Druckrichtung, Kolben 1–6 % gedehnt, Stange mit 1–3 % Übermaß außen.
  • Temperatur immer mit dem Medium bewerten: FKM hält an Luft +200 °C, in Wasserdampf nur 120 °C.
  • Unter Druck: härterer Werkstoff, kleiner Dichtspalt und ab höheren Drücken Stützringe.
Zuletzt aktualisiert am 6. Oktober 2026 · Autor: Luke Williams, „Herr der O-Ringe“
Verpressung

Funktionsprinzip: die Verpressung

Bei einer O-Ring Abdichtung dreht sich alles um die Verpressung zwischen den Dichtflächen. Der Ring wird in der Nut flach gedrückt, füllt die feinen Unebenheiten der Oberflächen und gleicht kleine Versätze aus. Unter Druck schiebt das Medium ihn zusätzlich an die druckabgewandte Flanke und presst ihn fester an die Dichtflächen.

Die Nut ist so ausgelegt, dass die Verpressung auch dann reicht, wenn der Ring im Medium leicht schrumpft oder sich die Toleranzen der Bauteile ungünstig addieren. Zu stark darf er aber nicht verpresst werden, sonst steigen Reibung und bleibende Verformung.

Drei Kennzahlen für jede Nut

Mit Verpressung, Füllgrad und Dehnung prüfen Sie jeden Einbauraum, auch einen, der in keiner Tabelle steht:

Verpressung(d2 − t) / d2 × 100
statisch15–30 %
FFKM statisch10–20 %
dynamisch6–20 %
010203040

Große Schnurstärken werden schwächer verpresst, die größten in unserer Tabelle mit 14 % knapp unter 15 %. Für FFKM die Nut etwas tiefer auslegen.

Füllgrad(π × d2² / 4) / (b × t) × 100
allebis 85 %
0255075100

Der Ring braucht Platz für Wärmeausdehnung und Quellung, bei hohen Temperaturen mehr Reserve.

Dehnung(Nutgrund-Ø − d1) / d1 × 100
statischbis 6 %
dynamischbis 3 %
FEP-ummanteltbis 1 %
0246810

Mehr Dehnung macht die Schnur dünner und senkt die Verpressung. An der Stange wird der Ring stattdessen leicht gestaucht.

So sehen die drei Kennzahlen für die gängigen Schnurstärken aus, mit den Nutmaßen aus unserer Tabelle:

Schnurstärke
Einbau
bt
Nutbreite b5,30 mm
Nuttiefe t2,70 mm
Verpressung23,5 % im Zielbereich
010203040 %
Füllgrad68 % im Zielbereich
0255075100 %
Nutmaße aus unserer Tabelle weiter unten. Der Querschnitt ist für jede Schnurstärke gleich groß gezeichnet, so sieht man die Verhältnisse. Zielbereich der Verpressung statisch 15–30 %, dynamisch 6–20 %, Füllgrad bis 85 %.
Abmessung

O-Ring Tabellen als Leitlinie für die Abmessung

Innendurchmesser d1 und Schnurstärke d2 bestimmen die Abmessung eines O-Rings. Zusammen mit der Nuttiefe ergibt sich daraus die Verpressung im eingebauten Zustand. Normgrößen haben drei Vorteile:

  • Sie sind am besten verfügbar, oft ab Lager.
  • Für die Fertigteile gelten genormte Toleranzen.
  • Für sie gibt es abgestimmte Einbaumaße.

Die ISO 3601 ist der weltweite Standard für O-Ring Größen und verknüpft die Abmessungen mit passenden Einbauräumen. So finden Sie zum gegebenen Einbauraum die passende Größe oder umgekehrt zum O-Ring den Einbauraum, immer mit dem Ziel, die Verpressung im Sollbereich zu halten. Alle Normgrößen stehen in unseren O-Ring Tabellen, wie die Norm aufgebaut ist, erklärt der Beitrag zur ISO 3601. Einen vorhandenen O-Ring vermessen Sie mit unserer Anleitung O-Ringe messen.

So bestimmen Sie den Innendurchmesser d1

Die Schnurstärke wählen Sie so groß, wie der Bauraum erlaubt. Den Innendurchmesser bestimmt die Einbauart. Bei der Flanschdichtung wird der Ring statisch und axial verpresst, die Druckrichtung entscheidet, an welcher Flanke er anliegt:

pNut-Innen-ØNut-Außen-Øinnenaußen
Druck von innen

Der Ring liegt außen an. Sein Außen-Ø entspricht dem Nut-Außen-Ø, 0–3 % gestaucht.

pNut-Innen-ØNut-Außen-Øinnenaußen
Druck von außen, Vakuum

Der Ring liegt innen an. d1 entspricht dem Nut-Innen-Ø, 0–3 % gedehnt.

Beispiel Flansch: Nut-Außen-Ø 100 mm, d2 3,53 mm

Druck von innen: Der Außen-Ø des Rings soll 100 bis 103 mm betragen. Mit d1 = Außen-Ø − 2 × d2 passt ein Innendurchmesser von 92,9 bis 95,9 mm. Druck von außen: Mit der Nutbreite 5,30 mm liegt der Nut-Innen-Ø bei 89,4 mm, mit 0–3 % Dehnung passt d1 = 86,8 bis 89,4 mm. Wählen Sie je Druckrichtung eine Normgröße aus dem Bereich.

Bei Kolben und Stange wird der Ring radial verpresst. Aus dem Nutgrund-Ø und der zulässigen Dehnung oder Stauchung ergibt sich d1, die Beispiele gelten für d2 3,53 mm, statisch:

Schnittbild einer Kolbendichtung mit O-Ring
Kolbendichtung

Nut im Kolben. Den Ring 1–6 % auf den Nutgrund dehnen, dynamisch höchstens 3 %.

Nutgrund-Ø = Bohrungs-Ø − 2 × t
d1 = Nutgrund-Ø / (1,01 bis 1,06)
Bohrung 50 mm, t 2,70 mm: Nutgrund-Ø 44,6 mm, d1 42,1 bis 44,2 mm
Schnittbild einer Stangendichtung mit O-Ring
Stangendichtung

Nut im Gehäuse. Den Ring-Außen-Ø 1–3 % größer als den Nutgrund-Ø wählen, bei d1 ab 250 mm bis 5 %.

Nutgrund-Ø = Stangen-Ø + 2 × t
d1 = Nutgrund-Ø × (1,01 bis 1,03) − 2 × d2
Stange 20 mm, t 2,70 mm: Nutgrund-Ø 25,4 mm, d1 18,6 bis 19,1 mm
PTFE

Nicht elastisch und deshalb nur für die Flanschnut: d1 gleich Nut-Innen-Ø, weder dehnen noch stauchen.

FEP-ummantelt

Beim Einlegen höchstens 3 %, dauerhaft höchstens 1 % dehnen. Als Stangendichtung nur statisch, für die Kolbendichtung zu wenig dehnbar.

Unsere Nutberechnung rechnet Nutmaße und d1 für Ihre Einbausituation, mit Druckrichtung, Dehnung und Toleranzen.

Temperatur und Medien

Temperatur und Medien bestimmen die Werkstoffauswahl

Jeder Werkstoff hat einen Temperaturbereich, in dem seine Dichteigenschaften stabil bleiben. Die untere und die obere Einsatzgrenze gehören deshalb in jede Auslegung.

Zu hohe Temperatur

Zu viel Hitze nimmt dem O-Ring dauerhaft seine Elastizität. Zuerst dehnt er sich stark aus, die Verpressung steigt und mit ihr die Reibung, vor allem bei bewegten Abdichtungen. Dabei kann er Material verlieren, das ihm nach dem Abkühlen für die nötige Verpressung fehlt. Er kehrt dann nicht mehr ganz in seine Form zurück. Dazu kommt die Nachvulkanisation: Unter hoher Temperatur entstehen zusätzliche Bindungen zwischen den Molekülketten, die den Ring dauerhaft verhärten.

Zu niedrige Temperatur

Unterhalb der Glasübergangstemperatur verliert der Werkstoff seine Elastizität und Belastbarkeit. Das ist umkehrbar, beim Erwärmen kehren die Eigenschaften zurück. Gefährlich sind Druckspitzen oder Stöße in der Kälte: Dann kann der steife Ring den veränderten Dichtspalt nicht mehr überbrücken.

Temperatur immer im Zusammenhang mit dem Medium

Die Temperaturangabe eines Werkstoffs gilt an Luft. In anderen Medien liegt die Grenze oft deutlich niedriger. FKM etwa ist an Luft bis +200 °C einsetzbar, in Wasserdampf bis 120 °C und in Heißwasser gar nicht empfohlen. Für Dampf ist peroxidisch vernetztes EPDM die bessere Wahl, mehr dazu im Beitrag O-Ringe für Heißwasser.

WerkstoffAn LuftHeißwasser und Dampf
FFKMECOLAST®−40/+340 °C je nach Typebis 210–270 °C je nach Type
FKM−25/+200 °C, FKM EX40 −40/+225 °CDampf bis 120 °C, Heißwasser nicht empfohlen
FEP-ummantelt−25/+205 °C, mit Silikonkern ab −60 °Cbis 205 °C
PTFE−250/+250 °Cbis 250 °C
EPDMperoxidisch−45/+150 °Cbis 170 °C
NBR−30/+120 °CHeißwasser bis 80 °C, Dampf nicht empfohlen

Einsatztemperatur an Luft laut unseren Werkstoffdaten, Heißwasser und Dampf als Erfahrungswerte. FFKM: Spanne über alle ECOLAST-Typen, zum Beispiel NH5750 −25/+270 °C, NH5751 HT −15/+330 °C, NH5760 LT −40/+270 °C, in Heißwasser und Dampf NH5750 bis 210 °C, NH5755 HT bis 270 °C. Maßgeblich ist das Datenblatt der jeweiligen Type.

Medien greifen Dichtungswerkstoffe auf zwei Arten an:

  • Physikalisch: Das Medium dringt in den Werkstoff ein oder löst Bestandteile wie Weichmacher heraus. Der Ring quillt oder schrumpft. Schrumpft er, sinkt die Verpressung bis zur Leckage, quillt er, ändern sich Härte und Festigkeit. Mehr dazu im Beitrag Quellung.
  • Chemisch: Aggressive Medien spalten die Polymerketten, die dem Ring seine Dichteigenschaften geben. Er wird hart und spröde.

Welcher Werkstoff welches Medium verträgt, zeigt unser Tool Medienbeständigkeit für 430 Medien.

Werkstoffe

Die wichtigsten Werkstoffe und ihr Anwendungsprofil

Temperatur und Medium grenzen die passenden Werkstoffe ein. Hier die vier Werkstoffe aus unserem Sortiment und drei gängige Vergleichswerkstoffe:

Vergleichswerkstoffe

Alle Werkstoffe im direkten Vergleich zeigt der Beitrag O-Ring Material.

Nutgestaltung

Optimale Auslegung: Nutgestaltung

Breite und Tiefe der Nut lesen Sie für Normgrößen aus der Tabelle ab. Zuerst wählen Sie die Nutform:

Rechtecknut

Der Standard, wirtschaftlich gedreht oder gefräst.

Trapeznut

Hält den Ring, wenn der Deckel oft geöffnet wird.

Dreiecksnut

Für Deckel und engen Bauraum. Die Verpressung kann schwanken.

In vier Schritten zur Nut

1
Schnurstärke wählen

So groß, wie der Bauraum erlaubt. Mehr Querschnitt heißt mehr Reserve.

2
Nutmaße und d1

Breite und Tiefe aus der Tabelle unten, den Innendurchmesser nach der Einbauart wie oben.

3
Kennzahlen prüfen

Verpressung, Füllgrad und Dehnung mit den drei Formeln, auch mit den Grenzmaßen.

4
Spalt und Toleranz prüfen

Dichtspalt nach Härte und Druck, dazu die Toleranzen von O-Ring und Bauteilen.

O-Ring Nutmaße: Einbauraum nach Schnurstärke

Breite und Tiefe der Nut für 20 Schnurstärken, dazu die Verpressung und der Füllgrad, die sich daraus ergeben. Flanschdichtung, für FKM und FEP-ummantelte O-Ringe:

d2Breite bTiefe tVerpressungFüllgrad
1,001,900,7030 %59 %
1,502,801,1027 %57 %
1,783,201,3027 %60 %
2,003,401,5025 %62 %
2,503,901,9024 %66 %
2,624,002,0024 %67 %
3,004,602,3023 %67 %
3,535,302,7024 %68 %
4,006,003,1022 %68 %
4,506,503,5022 %70 %
5,007,403,9022 %68 %
5,337,604,2021 %70 %
5,507,604,4020 %71 %
6,008,004,8020 %74 %
6,508,405,3018 %75 %
7,008,705,7019 %78 %
7,509,506,2017 %75 %
8,009,806,7016 %77 %
9,0011,207,6016 %75 %
10,0012,208,6014 %75 %

Kolben- und Stangendichtung haben dieselben Nutmaße. Dynamische Nuten sind etwas tiefer, die geringere Verpressung hält die Reibung klein:

d2Breite bTiefe statischVerpressungFüllgradTiefe dynamischVerpressung dynamisch
1,001,580,7030 %71 %0,8515 %
1,502,191,0530 %77 %1,2715 %
1,782,531,3027 %76 %1,5016 %
2,002,781,5025 %75 %1,6518 %
2,503,371,9024 %77 %2,1215 %
2,623,512,0024 %77 %2,2215 %
3,003,982,3023 %77 %2,5515 %
3,534,672,7024 %78 %2,9516 %
4,005,233,1022 %78 %3,3018 %
4,505,903,5022 %77 %3,8016 %
5,006,483,9022 %78 %4,3014 %
5,336,864,2021 %77 %4,6014 %
5,507,054,4020 %77 %4,8013 %
6,007,594,8020 %78 %5,2013 %
6,508,175,3018 %77 %5,6014 %
7,008,685,8017 %76 %6,0014 %
7,509,296,3016 %75 %6,5013 %
8,009,886,8015 %75 %7,0012 %
9,0011,147,7014 %74 %7,9012 %
10,0012,388,6014 %74 %8,8012 %

Alle Maße in mm, Richtwerte von NH O-RING in Anlehnung an ISO 3601-2. FFKM: gleiche Breite, statische Tiefe 0,80 bis 0,90 × d2 für 10–20 % Verpressung, die dynamischen Tiefen gelten auch für FFKM. PTFE wird nur leicht verpresst, meist um 10 %, und hat eigene Nutmaße. Für Zwischengrößen und PTFE: Nutberechnung.

Kanten und Oberflächen

Radien statt scharfer Kanten an allen Nutkanten, die der Ring berührt, dazu Einführschrägen an Bohrung und Welle. Statische Dichtflächen mit Ra ≤ 1,6 µm, Nutgrund und Flanken mit Ra ≤ 3,2 µm, dynamische Laufflächen feiner, geschliffen oder poliert.

btd2Dichtfläche Ra ≤ 1,6 µmr2r1Nut Ra ≤ 3,2 µm
b
Nutbreite
t
Nuttiefe
d2
Schnurstärke vor dem Einbau
r1
Radius am Nutgrund
r2
Radius an der Nutkante
Schnitt durch eine Flanschnut mit verpresstem O-Ring, gestrichelt der runde Querschnitt vor dem Einbau. Rauheiten als Richtwerte von NH O-RING.

Mehr zu Nutformen und Nutmaßen lesen Sie in O-Ring Nuten und 10 Fragen zu O-Ring Nuten, welche Toleranzen gelten, im Beitrag O-Ring Toleranzen.

Systemdruck

Optimale Auslegung: Systemdruck

Bei einer Nut unter Druck zählen vier Dinge: die Höhe des Drucks, die Druckrichtung, die Härte des O-Rings und die Größe des Dichtspalts. Daraus folgen drei Grundregeln:

  • Hoher Druck: harter Werkstoff und kleiner Dichtspalt.
  • Druck von innen: den Ring außen anliegend auslegen, mit 0–3 % Stauchung am Außendurchmesser.
  • Druck von außen und Vakuum: den Ring innen anliegend auslegen, mit 0–3 % Dehnung am Innendurchmesser.

Bei hohem und wechselndem Druck wandert der Ring in der Nut. Ist der Spalt zu groß, presst ihn der Druck hinein, und die Nutkante schert Material ab. Dieses Schadensbild heißt Spaltextrusion. Harte Werkstoffe sind weniger anfällig. Wie groß der Spalt höchstens sein darf:

Shore A0–50 bar50–100 bar100–200 bar
700,06 mm0,03 mmnur mit Stützring
800,08 mm0,05 mm0,02 mm
900,11 mm0,06 mm0,03 mm

Was gegen Spaltextrusion hilft

  • Härterer Werkstoff: 80 oder 90 Shore A statt 70 oder 75, etwa ECOLAST NH5901 HT mit 90 Shore A.
  • Engerer Spalt: kleinere Fertigungstoleranzen an Bohrung und Welle.
  • Größere Schnurstärke: mehr Querschnitt, mehr Reserve gegen das Abscheren.
  • Radien an den Kanten: Scharfe Nutkanten scheren Material ab.
  • Stützring: Er überbrückt den Spalt auf der druckabgewandten Seite.

Bauformen und Lage der Stützringe zeigt der Beitrag zur ISO 3601, mehr zum Verhalten unter Last O-Ringe unter Druck.

Statisch und dynamisch

Statische und dynamische Anwendungen

Statisch bewegen sich die Dichtflächen nicht gegeneinander, dynamisch schon. Dann kommen Reibung, Oberfläche und Verschleiß hinzu, und die Auslegung ändert sich:

MerkmalStatischDynamisch
Verpressung15–30 %, FFKM 10–20 %6–20 %
Dehnung auf dem Nutgrundbis 6 %bis 3 %
Nuttiefe Kolben und StangeSpalte „statisch“etwas tiefer, Spalte „dynamisch“
LaufflächeRa ≤ 1,6 µmfeiner, geschliffen oder poliert
Werkstoffealle, PTFE nur im Flanschnicht FEP-ummantelt, nicht Silikon (VMQ, FVMQ)
EinbauartenFlansch, Kolben, StangeKolben und Stange

Mit O-Ringen gelingen bewegte Abdichtungen bei kurzen, langsamen Hüben und mäßigen Drücken. Mehr zu den Einbauarten lesen Sie in den Beiträgen Kolbendichtung und Flanschdichtung.

Wirtschaftlichkeit

Optimale Auslegung für höhere Wirtschaftlichkeit

Über die Wirtschaftlichkeit einer Abdichtung entscheiden nicht die Kosten für Nut und O-Ring, sondern ein langer, störungsfreier Betrieb. Einmalige Einsparungen beim Einkauf verpuffen schnell, wenn eine Dichtstelle ausfällt. Drei Dinge schaffen gute Voraussetzungen:

  • Normgröße statt Sondermaß: kürzere Lieferzeit und oft ein deutlich besserer Preis.
  • Nut nach Tabelle und die Kennzahlen mit den Grenzmaßen geprüft, nicht nur mit dem Nennmaß.
  • Werkstoff nach Temperatur, Medium und Druck, nicht allein nach dem Preis.
Beispiel: Toleranzen mitrechnen

O-Ring 100 × 3,53 mm aus FKM in der Flanschnut mit 2,70 mm Tiefe und 5,30 mm Breite. Allein durch die Toleranz der Schnurstärke von ±0,10 mm liegt die Verpressung zwischen 21,3 und 25,6 % und der Füllgrad zwischen 65 und 72 %. Beides bleibt im Zielbereich.

Die Toleranz für jede Größe zeigt unser Rechner O-Ring Toleranzen.

Häufige Fragen

Wie hoch sollte die Verpressung eines O-Rings sein?
Bei statischen Abdichtungen 15 bis 30 % der Schnurstärke, bei FFKM 10 bis 20 % und bei dynamischen Abdichtungen 6 bis 20 %. Große Schnurstärken werden schwächer verpresst. Die Verpressung berechnen Sie als (d2 − t) / d2 × 100.
Warum sollte ich normgerechte O-Ringe nach ISO 3601 verwenden?
Normgrößen sind am besten verfügbar, für die Fertigteile gelten genormte Toleranzen, und für sie gibt es abgestimmte Einbaumaße. So finden Sie zum gegebenen Einbauraum die passende Größe und umgekehrt.
Welche Temperatur hält ein FKM O-Ring aus?
Unser FKM 75 ist an Luft von −25 bis +200 °C einsetzbar, FKM EX40 von −40 bis +225 °C. In anderen Medien liegt die Grenze niedriger: In Wasserdampf gilt FKM bis 120 °C, für Heißwasser ist es nicht empfohlen. Temperatur und Medium immer gemeinsam betrachten.
Wie wirkt sich der Systemdruck auf die O-Ring Auslegung aus?
Entscheidend sind Druckhöhe, Druckrichtung, Härte und Dichtspalt. Hoher Druck verlangt einen harten Werkstoff und einen kleinen Spalt. Bei Druck von innen liegt der Ring außen an und wird am Außendurchmesser leicht gestaucht, bei Druck von außen liegt er innen an und wird am Innendurchmesser leicht gedehnt.
Was ist Spaltextrusion und wie vermeide ich sie?
Bei der Spaltextrusion drückt der Systemdruck den O-Ring in den Dichtspalt, und die Nutkante schert Material ab. Dagegen helfen ein kleinerer Spalt, ein härterer Werkstoff, eine größere Schnurstärke, Radien an den Nutkanten und Stützringe auf der druckabgewandten Seite.
Welche O-Ring Werkstoffe eignen sich nicht für dynamische Anwendungen?
FEP-ummantelte O-Ringe und O-Ringe aus Silikon (VMQ, FVMQ) sind für bewegte Abdichtungen nicht geeignet, PTFE gehört nur in die Flanschnut. Die übrigen Werkstoffe lassen sich dynamisch einsetzen, dann mit geringerer Verpressung von 6 bis 20 % und höchstens 3 % Dehnung.
Wie berechne ich Verpressung und Füllgrad eines O-Rings?
Verpressung = (d2 − t) / d2 × 100, Füllgrad = (π × d2² / 4) / (b × t) × 100, mit Schnurstärke d2, Nuttiefe t und Nutbreite b. Beispiel 3,53 mm in der Flanschnut mit 5,30 mm Breite und 2,70 mm Tiefe: 23,5 % Verpressung und 68 % Füllgrad. Unsere Nutberechnung rechnet beides für Ihre Größe.
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„Ich bin überzeugt, dass wir unser Wissen teilen sollten. Ich hoffe, dieser Beitrag beantwortet Ihre Fragen zur O-Ring Auslegung. Wenn nicht, melden Sie sich jederzeit bei uns, wir helfen gerne weiter.“
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