O-Ring Abmessungen und Normen im Überblick
ISO 3601, AS568, DIN und Co.: Welche Norm welche O-Ring Größen festlegt und wie Sie die passende Tabelle für Ihre Anwendung finden, kompakt im Überblick.
- Jede O-Ring Größe besteht aus zwei Maßen: Innendurchmesser (d1) und Schnurstärke (d2), zum Beispiel 20 x 2 mm.
- Je nach Region, Industrie und Anwendung dominieren verschiedene O-Ring Normen mit eigenen Größentabellen.
- AS568 (SAE, Luftfahrt) ist zollbasiert, ISO 3601 ist das umfassende internationale Regelwerk mit fünf Teilen von Abmessungen bis Werkstoffen.
- Britische (BS 1806, BS 4518), schwedische (SMS 1586), japanische (JIS B2401) und französische (NF T 47-501) Normen ergänzen das Bild, teils in Zoll, teils metrisch. Die deutsche DIN 3771 ist seit 2010 durch die ISO 3601 abgelöst.
- Generische metrische Größen sind gut verfügbar, entsprechen aber nicht zwingend einer Norm.
- Genormte O-Ringe punkten bei Preis, Verfügbarkeit und Qualität gegenüber Sondergrößen.
Warum O-Ring Tabellen Sicherheit bringen
Die Verwendung von O-Ring Tabellen bringt Standardisierung und damit Sicherheit. Egal ob bei der Auslegung eines technischen Systems oder bei der Ersatzbeschaffung im Rahmen von Wartung und Reparatur: Es bringt deutliche Vorteile, auf normgerechte O-Ringe zu setzen. Selbst die Umrüstung bestehender Maschinen oder Anlagen auf genormte O-Ringe kann sich durch geringere Folgekosten lohnen.
Dabei gilt es jedoch eins zu beachten: Je nach Region auf der Welt, Industrie oder Anwendungszweck dominieren verschiedene O-Ring Normen mit eigenen Größentabellen. Hier bekommen Sie den Überblick über die gängigen Normen und ihre Besonderheiten.
O-Ring Bemaßung: so lesen Sie eine Größe
Jede O-Ring Größe wird durch zwei Maße beschrieben: den Innendurchmesser d1 und die Schnurstärke d2, also den Durchmesser des runden Querschnitts. Beide werden in Millimeter angegeben, in zollbasierten Normen zusätzlich in Zoll. Die Norm legt fest, welche Kombinationen von d1 und d2 es als Standardgröße gibt.
Drei Schreibweisen, die Sie kennen sollten
Innendurchmesser x Schnurstärke in Millimeter. So schreiben DIN 3771, SMS 1586 und die generischen metrischen Größen.
Größennummer aus der AS568-Tabelle. Sie steht für 12,42 x 1,78 mm.
Innendurchmesser vierstellig, Schnurstärke zweistellig, jeweils in zehntel Millimeter: 3,1 x 1,6 mm.
Welche Norm passt? Der Normen-Wegweiser
Welche Tabelle die richtige ist, hängt vor allem davon ab, woher die Maschine oder die Zeichnung stammt. Wählen Sie die Herkunft, der Wegweiser zeigt die üblichen Normen und führt direkt zur Größentabelle.
Die heute gültige Norm, auch in Deutschland. Seit 2008 enthält sie auch die zölligen Größen aus AS568.
Die frühere deutsche Norm, seit 2010 durch die ISO 3601 abgelöst. In älteren Anlagen und Zeichnungen ist sie weiter verbreitet.
Das umfassende internationale Regelwerk mit fünf Teilen von den Abmessungen bis zu den Werkstoffen.
Die zollbasierte Norm der SAE, Standard in der Luftfahrt und im zollgeprägten Raum. Jede Größe hat eine dreistellige Nummer, das Beispiel heißt AS568-014.
Zollabmessungen, deckungsgleich mit den Querschnitten aus AS568 und mit zusätzlichen Zwischengrößen.
Metrische britische Norm. Der Code setzt sich aus Innendurchmesser und Schnurstärke in zehntel Millimeter zusammen, das Beispiel heißt 0296-24.
Metrisch im Format ID x C/S, dazu die Kennzeichnung D für statische und dynamische oder S für nur statische Anwendungen.
Der japanische Industriestandard mit den klassischen Reihen P, G, S und V, dazu Größen nach ISO 3601. Das Beispiel heißt dort G35.
Die französische Maßtabelle ähnelt der ISO 3601 und umfasst Teile der DIN 3771.
Nur die Maße sind bekannt? Messen Sie Innendurchmesser und Schnurstärke und prüfen Sie mit unserer Normsuche, ob die Abmessung genormt ist. Viele metrische Größen sind auch ohne Norm gut verfügbar.
Alle Normen im Vergleich
Die Tabelle fasst Herkunft, Maßsystem und ein Größenbeispiel jeder Norm zusammen. Welche Schnurstärken die Normen gemeinsam haben, zeigt die Übersicht darunter.
| Norm | Herkunft / Bereich | Maßsystem | Größenbeispiel |
|---|---|---|---|
| AS568 | SAE, Luftfahrt | Zoll (führend) | 12,42 x 1,78 mm |
| ISO 3601 | International | metrisch | 12,42 x 1,78 mm |
| DIN 3771 | Deutschland, bis 2010 | metrisch | 40 x 3,55 mm |
| BS 1806 | Großbritannien | Zoll | 12,42 x 1,78 mm |
| BS 4518 | Großbritannien | metrisch | 29,6 x 2,4 mm |
| SMS 1586 | Schweden | metrisch | 17,3 x 2,4 mm |
| JIS B2401 | Japan | metrisch und Zoll | 34,4 x 3,1 mm |
| NF T 47-501 | Frankreich | metrisch | 32,5 x 2,65 mm |
| Generisch | herstellerübergreifend | metrisch | 20 x 2 mm |
Schnurstärken im Vergleich
Die Übersicht zeigt, welche Normen sich Schnurstärken teilen. Das hilft, wenn eine Größe aus einer Norm durch eine gleichwertige aus einer anderen ersetzt werden soll.
| Schnurstärke d2 in mm | ≈ 1,8 | ≈ 2,6 | ≈ 3,5 | ≈ 5,3 | ≈ 7,0 |
|---|---|---|---|---|---|
| AS568 | 1,78 | 2,62 | 3,53 | 5,33 | 6,99 |
| ISO 3601 | 1,781,80 | 2,622,65 | 3,533,55 | 5,335,30 | 6,997,00 |
| BS 1806 | 1,78 | 2,62 | 3,53 | 5,33 | 6,99 |
| DIN 3771 | 1,8 | 2,65 | 3,55 | 5,3 | 7,0 |
| NF T 47-501 | 1,8 | 2,65 | 3,55 | 5,3 | 7,0 |
| Schnurstärke d2 in mm | 1,6 | 2,4 | 3,0 | 5,7 | 8,4 |
|---|---|---|---|---|---|
| BS 4518 | 1,6 | 2,4 | 3,0 | 5,7 | 8,4 |
| SMS 1586 | 1,6 | 2,4 | 3,0 | 5,7 | 8,4 |
| JIS B2401 | nicht enthalten | 2,4 | nicht enthalten | 5,7 | 8,4 |
Außerdem: JIS B2401 hat eigene Schnurstärken (1,5 · 1,9 · 2,0 · 3,1 · 3,5 · 4,0 · 6,0 · 10,0 mm). AS568, ISO 3601 und BS 1806 enthalten einige kleine Größen mit 1,02 bis 1,52 mm, BS 1806 auch 1,63 mm. Unsere Tabelle gängiger metrischer Maße reicht von 1 bis 6 mm.
AS568 (SAE, Luftfahrt)
Die Society of Automotive Engineers (SAE) hat die Maßtabelle für O-Ringe erstmalig im Jahr 1971 veröffentlicht. Seitdem hat es mehrere Neufassungen gegeben, wobei derzeit die Revision F die gültige Ausgabe darstellt. In der Praxis ist diese Unterscheidung jedoch nicht von besonderer Relevanz, da die O-Ring Größen gemäß der Tabelle keine Veränderung erfahren haben.
Die Norm stellt einen Standard für die Luftfahrt dar und bezieht sich auf O-Ringe für Dichtungsanwendungen und Rohrverschraubungen mit geradem Gewinde. O-Ringe nach AS568 sind mit Schnurstärken von ca. 1,02 mm bis 6,99 mm und Innendurchmessern von bis zu ca. 660 mm verfügbar. Die Definition in Zoll ist jedoch führend. Jede Größe trägt eine dreistellige Nummer, zum Beispiel AS568-014 für 12,42 x 1,78 mm.
Auch in Regionen mit einem vorherrschenden metrischen System kann es aufgrund der problemlosen Verfügbarkeit der O-Ringe sinnvoll sein, Abdichtungen nach dieser Norm auszulegen. O-Ringe aus der AS568-Tabelle sind in vielen unterschiedlichen Werkstoffen erhältlich. Mit der letztgültigen Fassung der ISO 3601 entsprechen sich die Querschnittsdurchmesser nach AS568 bis auf Abweichungen im Bereich von hundertstel Millimetern.
ISO 3601 (International)
Die ISO 3601 umfasst in ihrer letzten Fassung weit mehr als nur eine Tabelle genormter O-Ring Größen. Seit 2008 enthält sie auch die zölligen Größen aus AS568. Während zulässige Oberflächenabweichungen (Teil 3) schon länger Bestandteil der Norm waren, regelt Teil 5 nun noch weitere Themenbereiche.
Mit dieser Ergänzung deckt die O-Ring Norm auch Rezepturen und Qualitätsanforderungen an O-Ringe ab. Dafür bezieht sich die Norm vor allem auf den Vulkanisierungsgrad, der sich mittels Härte und Druckverformungsrest bestimmen lässt. Damit stellt die Norm ein umfassendes Regelwerk für die Verwendung von O-Ringen dar:
- Teil 1Abmessungen
- Teil 2Einbauräume
- Teil 3Oberflächenfehler
- Teil 4Stützringe
- Teil 5Werkstoffe
Mit diesen Regelungsbereichen sind die wesentlichen Einflussfaktoren für ein funktionierendes Dichtungssystem abgedeckt. Was Toleranzklassen, Sortenmerkmale und Stützringe im Einzelnen bedeuten, erklärt unser Leitfaden zur ISO 3601.
DIN 3771 (Deutschland, bis 2010)
DIN 3771 war über Jahrzehnte die deutsche Norm für O-Ringe in der Fluidtechnik. Seit 2010 ist sie durch die ISO 3601 abgelöst, ihre Maße finden sich aber weiter in älteren Anlagen, Zeichnungen und Stücklisten.
Die Größen folgen dem Schema ID x C/S: 40 x 3,55 bedeutet 40 mm Innendurchmesser und 3,55 mm Schnurstärke. Die Schnurstärken reichen von 1,8 bis 7 mm, die Innendurchmesser von 1,8 bis 670 mm. Aufbau, Toleranzen und das Verhältnis zur ISO 3601 erklärt unser Beitrag zur DIN 3771.
BS 1806 (Großbritannien, Zoll)
Diese britische Norm enthält eine Tabelle mit Zollabmessungen für Innendurchmesser und Querschnittsdurchmesser von O-Ringen. Die Norm umfasst fünf Gruppen von O-Ring-Querschnitten, die sich mit AS568 decken. Darüber hinaus definiert die Tabelle von BS 1806 jedoch noch weitere dazwischenliegende Größen.
BS 4518 (Großbritannien, metrisch)
Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine britische Norm. Die Größentabelle für O-Ringe bezieht sich in diesem Fall jedoch auf metrische Maße. Jede O-Ring Dimension erhält als Kennzeichen eine ID, die sich aus dem jeweiligen Innendurchmesser (Angabe vierstellig in zehntel Millimeter) und dem Querschnitt (ebenfalls in zehntel Millimeter) zusammensetzt.
Getrennt werden beide Maße durch einen Bindestrich, sodass die Referenz 0031-16 einen O-Ring mit einem Innendurchmesser von 3,1 mm und einer Schnurstärke von 1,6 mm bezeichnet. Insgesamt umfasst die Tabelle 203 verschiedene Größen. 1,6 mm ist gleichzeitig die kleinste Schnurstärke in der bis 8,4 mm reichenden Tabelle.
SMS 1586 (Schweden)
SMS 1586 ist der schwedische mechanische Standard (Sveriges Mekanstandardisering) für O-Ringe. Die Kennzeichnung der Größen aus der Maßtabelle erfolgt im Format ID x C/S. Dabei steht ID für den Innendurchmesser in Millimeter, C/S für den Querschnittsdurchmesser in Millimeter. In dieser Hinsicht deckt sich die Norm mit DIN 3771.
Zusätzlich führt SMS 1586 zwei anwendungsbezogene Kennzeichnungen für O-Ringe ein:
- D: statische und dynamische Anwendungen
- S: nur für statische Anwendungen
JIS B2401 (Japan)
Bei der Norm JIS B2401 handelt es sich um den japanischen Industriestandard für O-Ringe. Die Tabelle enthält sowohl eine Serie von O-Ringen in metrischen als auch in zölligen Abmessungen. Was die metrischen Dimensionen angeht, so beinhaltet die Norm die O-Ring Größen gemäß der Tabelle von ISO 3601.
NF T 47-501 (Frankreich)
Die Maßtabelle der französischen Norm ähnelt ISO 3601. Zusätzlich umfasst sie Teile von DIN 3771, die sich auf O-Ringe für die Fluidtechnik mit besonderer Maßgenauigkeit bezieht. Über diese Normen hinausgehend, enthält NF T 47-501 einige spezifische Bezeichnungen für Klassen von O-Ringen.
Generische und metrische Abmessungen
Neben den Größentabellen spezifischer Normen lassen sich O-Ringe auch in generischen metrischen Größen beziehen. Diese können zwar einer Standardgröße aus einer oder mehreren Tabellen entsprechen, müssen es aber nicht. Obwohl es sich nicht zwangsläufig um O-Ringe in genormten Dimensionen handelt, ist die Verfügbarkeit grundsätzlich gut.
Das liegt daran, dass O-Ring Hersteller auf breiter Basis über die entsprechenden Werkzeuge für die Herstellung verfügen. Gängig ist auch hier die Kennzeichnung im Format ID x C/S, also Innendurchmesser x Schnurstärke.
Vorteile von genormten O-Ring Tabellen
Genormte O-Ringe sollten überall wo möglich zum Einsatz kommen. Preis, Verfügbarkeit und eine zuverlässig hohe Qualität sprechen für standardisierte Dichtungselemente.
Größe finden: Tabellen und Werkzeuge
Mit diesen Werkzeugen kommen Sie von der Norm zur konkreten Größe und zum passenden Einbauraum.
Häufige Fragen
Welche O-Ring Norm ist die wichtigste?
Worin unterscheiden sich AS568 und ISO 3601?
Wie lese ich eine O-Ring Größe wie 20 x 2?
Was bedeutet AS568-014?
Was bedeutet eine Bezeichnung wie 0031-16 nach BS 4518?
Sind generische metrische O-Ringe genormt?
Warum lohnen sich genormte O-Ringe?
Wie finde ich die passende O-Ring Größe?

