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O-Ring Datenblatt: 10 Fragen und Antworten

Welche Angaben in einem O-Ring Datenblatt wirklich zählen, was Härte, Druckverformungsrest, TR-10 Wert und Zugfestigkeit bedeuten und wie Sie ein Datenblatt in wenigen Minuten richtig lesen.

Luke Williams
Luke Williams
Herr der O-Ringe·NH O-RING Akademie
Aktualisiert Juni 202610 Min. Lesezeit
O-Ring Werkstoffprüfung an einer Flanschdichtung
Das Wichtigste in Kürze
  • Ein O-Ring Datenblatt fasst Spezifikationen und Leistungsmerkmale zusammen und beantwortet eine Frage: ist der Werkstoff geeignet?
  • Die wichtigsten Kennwerte sind Härte (Shore A), Temperaturbereich, Druckverformungsrest, TR-10 Wert und Reißfestigkeit.
  • Werte werden an standardisierten Prüfkörpern ermittelt, nicht am Fertigteil. Achten Sie immer auf die Prüfnorm.
  • Die Temperaturbeständigkeit gilt in der Regel für Luft. Im Medium kann sie deutlich abweichen.
  • Der TR-10 Wert beschreibt die Kälteflexibilität: je niedriger, desto besser bleibt das Material bei Kälte elastisch.
Zuletzt aktualisiert am 22. Juni 2026 · Autor: Luke Williams, „Herr der O-Ringe"

Was ein O-Ring Datenblatt enthält

Ein O-Ring Datenblatt ist mehr als ein Blatt mit Materialbezeichnungen. Es ist das zentrale Werkzeug für Ingenieure, Einkäufer und QS-Verantwortliche, um eine einzige Frage schnell zu beantworten: Ist dieser Werkstoff für meine Anwendung geeignet?

Viele Datenblätter enthalten zu viele Zahlen und zu wenig Klarheit. Im Folgenden sehen Sie, welche Angaben wirklich relevant sind und wie Sie diese bewerten. Eine Übersicht unserer Werkstoffe finden Sie auf der Seite O-Ring Datenblätter.

EigenschaftWert (Beispiel NBR 70 Shore A)
WerkstoffNBR (Acrylnitril-Butadien-Kautschuk)
Härte (Shore A)70 ±5
Temperaturbereich−30/+120 °C
Dichte1,23 g/cm³
Reißfestigkeit> 12 MPa
Druckverformungsrest (22 h/100 °C)≤ 25 %
MedienbeständigkeitÖle, Fette, Mineralöle
Konformitätauf Anfrage, z. B. EU 1935/2004

Die fünf wichtigsten Kennwerte

Fünf Kennwerte entscheiden in den meisten Fällen über Eignung und Lebensdauer. Wer sie versteht, liest jedes Datenblatt in wenigen Minuten.

Härte (Shore A)
Widerstand gegen Eindrücken. Bestimmt Verpressung und Montageverhalten. Mehr dazu unter Shore Härte.
Temperaturbereich
Einsatzgrenzen nach unten und oben, in der Regel gemessen in Luft.
Druckverformungsrest
Maß für die dauerhafte Verformung unter Last und damit für die Dichtleistung über die Zeit.
TR-10 Wert
Kennwert für die Kälteflexibilität, also die tiefste Temperatur, bei der das Material elastisch bleibt.
Reißfestigkeit
Maximale Zugspannung vor dem Bruch. Mehr dazu unter Zugfestigkeit.

Die Maße Ihres vorhandenen O-Rings ermitteln Sie mit der Anleitung unter O-Ringe messen.

Häufige Fragen

Wie ist ein O-Ring Datenblatt aufgebaut?

Ein O-Ring Datenblatt fasst die Spezifikationen und Leistungsmerkmale eines Werkstoffs kompakt zusammen. Es dient Ingenieuren, Einkäufern und der Qualitätssicherung als schnelle Entscheidungsgrundlage. Viele Datenblätter enthalten allerdings zu viele Daten und zu wenig Klarheit. Entscheidend ist, die wirklich relevanten Angaben zu erkennen: Werkstoff, Härte, Temperaturbereich, Dichte, Reißfestigkeit, Druckverformungsrest, Medienbeständigkeit und Konformität.

Wofür werden O-Ring Datenblätter verwendet?

O-Ring Datenblätter definieren die genauen Spezifikationen und Leistungsmerkmale von O-Ringen und kommunizieren sie. Sie ermöglichen es, die Eignung eines bestimmten O-Rings für eine konkrete Anwendung zu bestimmen, indem sie detaillierte Informationen zu Materialkompatibilität, Größe, Temperatur- und Druckbeständigkeit liefern. So lässt sich das Risiko von Ausfällen in kritischen Anwendungen minimieren. Die Datenblätter sind eine grundlegende Ressource für Design, Wartung und Qualitätssicherung.

Welche Materialien werden in O-Ring Datenblättern aufgeführt?

In O-Ring Datenblättern werden die gängigen Werkstoffe beschrieben: Nitrilkautschuk (NBR), Fluorkautschuk (FKM), Ethylen-Propylen-Dien-Monomer (EPDM), Silikon und Polytetrafluorethylen (PTFE) sowie Spezialmischungen für besondere Anforderungen. Jedes Material wird hinsichtlich chemischer Beständigkeit, Temperaturtoleranz und mechanischer Eigenschaften beschrieben. Die Auswahl richtet sich nach der Anwendung, also nach Chemikalien, Druckverhältnissen und Betriebstemperaturen.

MaterialEigenschaftenAnwendungsbereich
NBR (Nitrilkautschuk)öl- und kraftstoffbeständigStandardanwendungen
FKM (Fluorkautschuk)hohe Temperatur- und ChemikalienbeständigkeitHochleistungsanwendungen
EPDMgute Witterungs- und OzonbeständigkeitAußenanwendungen
Silikonflexibel bei niedrigen TemperaturenLebensmittel- und Medizinbereich
PTFEextrem chemikalienbeständigchemische Verarbeitung
Welche physikalischen Eigenschaften enthält ein Datenblatt?

Ein O-Ring Datenblatt enthält die physikalischen Eigenschaften, die für Auswahl und Anwendung entscheidend sind: Härte (in Shore A), Temperaturbeständigkeit (Minimum und Maximum), Zugfestigkeit, Dehnung bis zum Bruch sowie Druckverformungsrest. Diese Werte geben Aufschluss über mechanische Belastbarkeit, Flexibilität und langfristige Leistungsfähigkeit unter den jeweiligen Betriebsbedingungen. So lässt sich der am besten geeignete O-Ring für eine zuverlässige Abdichtung und eine optimale Lebensdauer wählen.

Was ist der Druckverformungsrest und wie wird er bestimmt?

Der Druckverformungsrest (PVR) ist ein wichtiges Maß für die Langzeitperformance und Elastizität von O-Ringen und anderen elastomeren Dichtungen. Er gibt an, wie viel ein Material nach einer Belastungs- und Entlastungsperiode dauerhaft verformt bleibt. Die Bestimmung erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Probenvorbereitung: Der O-Ring wird auf eine standardisierte Größe und Form gebracht.
  2. Anfangsmessung: Die ursprünglichen Abmessungen werden exakt gemessen und dokumentiert.
  3. Belastung: Die Probe wird einer definierten Belastung ausgesetzt, die einem festgelegten Prozentsatz ihrer Höhe entspricht, oft bei einer bestimmten Temperatur.
  4. Entlastung und Erholung: Nach der Belastungszeit wird die Probe entlastet und bei Raumtemperatur gelagert.
  5. Endmessung: Nach der Erholungsphase werden die Abmessungen erneut gemessen.
  6. Berechnung: Der PVR wird als Prozentsatz der permanenten Verformung im Verhältnis zur ursprünglichen Höhe berechnet.

PVR = ((ursprüngliche Höhe − Endhöhe) / ursprüngliche Höhe) × 100 %

Was unterscheidet Zugfestigkeit und Bruchdehnung?

Zugfestigkeit und Bruchdehnung sind zwei fundamentale mechanische Eigenschaften, die das Verhalten von Materialien unter Zugbelastung beschreiben. Sie betrachten jedoch unterschiedliche Aspekte.

Zugfestigkeit: Maß für die maximale Zugspannung, die ein Material aushält, bevor es bricht. Angegeben in Kraft pro Fläche (z. B. Megapascal, MPa). Eine hohe Zugfestigkeit kennzeichnet ein starkes Material.

Bruchdehnung: Beschreibt, wie weit sich ein Material dehnen lässt, bevor es bricht. Angegeben in Prozent. Eine hohe Bruchdehnung weist auf hohe Flexibilität und Zähigkeit hin.

Die Zugfestigkeit bewertet also die Stärke, die Bruchdehnung die Duktilität. Für die Materialauswahl ist häufig ein Gleichgewicht aus Festigkeit und Flexibilität gewünscht.

Was bedeuten Shore A, Shore D und IRHD?

Shore A, Shore D und IRHD (International Rubber Hardness Degrees) sind drei Skalen zur Messung der Härte von Elastomeren und Kunststoffen. Die Härtemessung ist entscheidend für die Materialauswahl, da sie Aufschluss über Steifigkeit und Elastizität gibt.

Shore A: am häufigsten für weiche bis mittelharte Elastomere. Gemessen wird die Eindringtiefe eines Prüfkörpers unter definierter Kraft. Werte reichen von 0 (sehr weich) bis 100 (harter Gummi).

Shore D: für härtere Kunststoffe und Elastomere, mit einer spitzeren und härteren Spitze. Die Skala liegt ebenfalls zwischen 0 und 100, höhere Werte bedeuten größere Härte.

IRHD: misst die Eindringtiefe eines kugelförmigen Eindringkörpers unter definierter Last, Skala typischerweise 0 bis 100. IRHD wird oft für präzise technische Anwendungen mit hoher Messgenauigkeit verwendet.

Wie werden die Prüfparameter ermittelt?

Die Parameter auf einem Datenblatt werden üblicherweise an standardisierten Prüfkörpern bestimmt, nicht direkt am Fertigteil. Die Prüfkörper haben definierte Abmessungen nach internationalen Normen. Zum Einsatz kommen Verfahren wie Zugtests, Härtemessungen und chemische Beständigkeitstests unter kontrollierten Bedingungen.

Vorteile: Standardisierte Prüfkörper ermöglichen die Vergleichbarkeit zwischen Materialien und Herstellern. Internationale Normen sichern eine konsistente Bewertung, und die Tests sind im Labor effizient durchführbar.

Nachteile: Die Ergebnisse spiegeln nicht immer die Leistung in der realen Anwendung wider, insbesondere bei komplexen Geometrien oder besonderen Belastungen. Auch Fertigungsprozesse können die Eigenschaften verändern, was bei der Prüfung am Prüfkörper unberücksichtigt bleibt.

Worauf bezieht sich die angegebene Temperaturbeständigkeit?

Die auf Datenblättern angegebene Temperaturbeständigkeit bezieht sich typischerweise auf die Leistungsfähigkeit des Materials in Luft. Diese Standardisierung erlaubt eine allgemeine Bewertung unter thermischen Bedingungen. Die tatsächliche Beständigkeit kann jedoch je nach Kontaktmedium erheblich abweichen.

Die Angabe in Luft dient als Basisvergleich und ist leicht zu standardisieren. Chemische Medien können die Materialeigenschaften bei verschiedenen Temperaturen beeinflussen, die Degradation beschleunigen oder die Temperaturtoleranz verändern. Für Anwendungen mit bestimmten Medien bieten Hersteller häufig spezialisierte Datenblätter an.

Für die Auswahl zählt daher nicht nur die allgemeine Beständigkeit in Luft, sondern auch das Kontaktmedium und die konkreten Einsatzbedingungen. Im Zweifelsfall lohnt die Rücksprache mit dem Hersteller.

Was ist der TR-10 Wert?

Der TR-10 Wert ist ein wichtiger Parameter für die Kälteflexibilität von Elastomeren und Gummi. TR-10 steht für „Temperature Retraction 10 %“ und bezeichnet die Temperatur, bei der sich ein standardisiert vorgedehntes Probenmaterial nach einer Kältebehandlung um 10 % seiner ursprünglichen Dehnung zurückzieht. Der Wert ist ein direktes Maß für die Kältetoleranz und zeigt, bis zu welcher minimalen Temperatur das Material flexibel bleibt.

Bestimmung: Eine Probe wird auf eine bestimmte Länge vorgedehnt, anschließend in einem programmierbaren Kühlbad schrittweise abgekühlt. Die Temperatur, bei der die Probe 10 % ihrer Dehnung zurückzieht, ist der TR-10 Wert.

Ein niedrigerer TR-10 Wert weist auf eine bessere Kälteflexibilität hin. Der Wert hilft bei der Auswahl kältetoleranter Materialien, etwa für Außenanwendungen oder kryogene Systeme, und ermöglicht den Vergleich verschiedener Materialien unter standardisierten Bedingungen.

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Luke Williams
Luke Williams
Herr der O-Ringe · NH O-RING Akademie
„Ich bin überzeugt, dass wir unser Wissen teilen sollten. Ich hoffe, dieser Beitrag beantwortet Ihre Fragen zu O-Ring Datenblättern. Wenn nicht, melden Sie sich jederzeit bei uns, wir helfen gerne weiter."
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