Elastomer: der Werkstoff für O-Ringe erklärt
Elastomere sind die gummielastischen Werkstoffe hinter nahezu jedem O-Ring. Dieser Beitrag erklärt, was ein Elastomer ausmacht, wie Vernetzung und Vulkanisation funktionieren und worin es sich von Thermoplast und Duroplast unterscheidet.
- Ein Elastomer ist ein gummielastischer Kunststoff, der sich verformen lässt und danach in seine Ausgangsform zurückkehrt.
- Grundlage dieses Verhaltens sind vernetzte Polymerketten. Die Vernetzung entsteht durch die Vulkanisation.
- Elastomere unterscheiden sich von Thermoplasten und Duroplasten durch ihre weitmaschige Vernetzung und ihr Rückstellvermögen.
- Für O-Ringe sind vor allem synthetische Elastomere wie NBR, FKM, FFKM und EPDM relevant.
- Temperatur, Chemikalien und UV-Strahlung beeinflussen die Eigenschaften, deshalb ist die Werkstoffauswahl entscheidend.
Was ist ein Elastomer?
Ein Elastomer ist ein Kunststoff, der sich unter Belastung dehnen oder zusammendrücken lässt und danach nahezu vollständig in seine Ausgangsform zurückkehrt. Umgangssprachlich heißt diese Werkstoffgruppe schlicht „Gummi". Genau dieses gummielastische Verhalten macht Elastomere zum bevorzugten Werkstoff für O-Ringe und Dichtungen.
Elastomere bestehen aus langen Polymerketten, die untereinander vernetzt sind. Wird ein Elastomer gedehnt, strecken sich die Ketten. Nach Entlastung ziehen sie sich wieder zusammen und das Bauteil nimmt seine ursprüngliche Form an. Diese Eigenschaft heißt Elastizität und unterscheidet Elastomere von vielen anderen Materialien wie Metallen oder steifen Kunststoffen.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Elastomer | Polymerwerkstoff mit gummielastischem Verhalten, kehrt nach Verformung in die Ausgangsform zurück |
| Polymerkette | Langes Molekül aus vielen aneinandergereihten Bausteinen (Monomeren) |
| Vernetzung | Chemische Bindungen zwischen den Polymerketten, Grundlage der Rückstellkraft |
| Vulkanisation | Verfahren, das die Vernetzung erzeugt und Festigkeit sowie Wärmebeständigkeit verbessert |
Aufbau, Vernetzung und Vulkanisation
Die Flexibilität von Elastomeren ergibt sich aus ihrer chemischen Struktur. Die Polymerketten sind vernetzt, das heißt durch chemische Bindungen miteinander verbunden. Diese Vernetzung erlaubt es dem Werkstoff, sich zu dehnen und wieder zusammenzuziehen, ohne dass die Ketten dauerhaft auseinandergleiten.
Erzeugt wird die Vernetzung durch die Vulkanisation. Dabei werden durch Erhitzen chemische Bindungen zwischen den Polymerketten gebildet. Dieser Schritt verbessert sowohl die Elastizität als auch die Festigkeit und die Wärmebeständigkeit des Werkstoffs. Die Vulkanisation wurde 1839 von Charles Goodyear entwickelt und gilt als Wendepunkt in der industriellen Nutzung von Gummi.
Vom Rohstoff zum fertigen Werkstoff
Die Herstellung eines Elastomers verläuft in mehreren Phasen:
- Polymerisation: Kleine Moleküle (Monomere) werden zu langen Polymerketten verbunden.
- Mischen: Additive und Füllstoffe werden zugegeben, um die gewünschten Eigenschaften einzustellen.
- Formgebung: Die Masse wird in die gewünschte Form gebracht, etwa durch Pressen oder Extrudieren.
- Vulkanisation: Durch Erhitzen entstehen die Vernetzungen zwischen den Ketten.
Gummielastisches Verhalten
Wird ein Elastomer gedehnt, dehnen sich die Polymerketten aus. Nach dem Entfernen der Kraft kehren die Ketten in ihre ursprüngliche Position zurück. Dieses Verhalten ist die Grundlage für den Einsatz in Anwendungen, bei denen Flexibilität und Widerstandsfähigkeit gefragt sind.
- Verhalten unter Belastung: Elastomere lassen sich bis zu einem gewissen Grad dehnen, ohne beschädigt zu werden.
- Rückstellung nach Verformung: Nach Entlastung nehmen sie ihre ursprüngliche Form wieder an.
- Dämpfung: Sie nehmen Schwingungen und Stöße auf.
Umweltfaktoren und ihre Auswirkungen
Die Eigenschaften von Elastomeren werden durch die Einsatzbedingungen beeinflusst. Temperatur, Chemikalien und UV-Strahlung wirken auf Elastizität und Haltbarkeit:
- Temperatur: Starke Kälte oder Hitze verändert die Elastizität.
- Chemische Einflüsse: Manche Medien greifen den Werkstoff an und schwächen ihn.
- UV-Strahlung: Dauerhafte Bestrahlung kann zu Versprödung führen.
Deshalb ist die Auswahl des richtigen Elastomers für die jeweilige Einbausituation entscheidend. Mehr dazu im Grundwissen zu O-Ringen.
Wichtige Elastomere für O-Ringe
Man unterscheidet natürliche und synthetische Elastomere. Natürliche Elastomere wie Latex werden aus dem Saft bestimmter Pflanzen gewonnen. Synthetische Elastomere werden chemisch hergestellt und bieten meist verbesserte Eigenschaften für bestimmte Anwendungen, etwa Öl- oder Hitzebeständigkeit.
Für technische Dichtungen kommen vor allem synthetische Elastomere zum Einsatz. Die wichtigsten Werkstoffe für O-Ringe im Überblick:
| Werkstoff | Kurzcharakter |
|---|---|
| NBR | Standardwerkstoff, gut bei Mineralölen und Kraftstoffen. Siehe Werkstoffvergleich. |
| FKM | Hohe Temperatur- und Medienbeständigkeit, breites Einsatzfeld. Details unter FKM O-Ringe. |
| FFKM | Höchste chemische und thermische Beständigkeit. Mehr unter FFKM O-Ringe. |
| EPDM | Sehr gut bei Wasser, Wasserdampf und vielen polaren Medien. |
Abgrenzung zu Thermoplast und Duroplast
Elastomere sind eine von mehreren Kunststoffgruppen. Sie lassen sich durch ihr Verhalten bei Belastung und Erwärmung von Thermoplasten und Duroplasten unterscheiden.
| Gruppe | Verhalten |
|---|---|
| Elastomer | Weitmaschig vernetzt, gummielastisch, kehrt nach Verformung in die Ausgangsform zurück, nicht schmelzbar. |
| Thermoplast | Nicht vernetzt, wird bei Wärme weich und formbar, beim Abkühlen wieder fest. |
| Duroplast | Engmaschig vernetzt, hart und steif, nicht schmelzbar und nicht elastisch. |
Eine Sonderstellung nehmen die thermoplastischen Elastomere ein. Sie verbinden die einfache Verarbeitbarkeit von Thermoplasten mit dem elastischen Verhalten von Gummi und lassen sich daher schmelzen und umformen.
